Pädagogisches Reiten - „Wir brauchen mehr Kontakt zur Natur“

Die Diplom-Sozialpädagogin Jasmin Wittkowski (Mitte) ist Schulsozialarbeiterin an der Oberschule Bockhorn. Sie hat das Reitprojekt auf dem Eichenhof von Mirjam Beilharz (links) ins Leben gerufen.                                                                                              

"Ruhig, bleib stehen“, sagt Luca Garske mit gedämpfter Stimme, und der Haflinger Whisky tut, wie ihm geheißen. Er steht, ganz ruhig. Ein kleines Erfolgserlebnis für Luca, ganz ohne Zwang. In der Schule lernt der Zwölfjährige gerade, wie er mit einem Pferd kommuniziert. Dafür sitzt er nicht im Klassenzimmer der Oberschule Bockhorn, sondern steht am Anbindeplatz auf dem Eichenhof in Jührdenerfeld. Auf dem Hof von Miriam Beilharz treffen sich alle zwei Wochen sechs Schülerinnen und Schüler der Oberschule, um im Rahmen des Ganztages zwei Schulstunden auf dem Reiterhof zu verbringen.

„Pferde sind sehr gute Lehrer, denn sie spiegeln die Kinder“, sagt Jasmin Wittkowski. Die Schulsozialarbeiterin der Oberschule hat das Reitprojekt ins Leben gerufen. „Wenn jemand ganz wild und aufgeregt auf ein Pferd zu rennt, wird das Tier auch aufgeregt. Im Umgang mit Pferden werden laute Kinder etwas leiser und leise Kinder schnell selbstbewusster.“

An dem Nachmittag haben Luca Garske, Alice Bieschke, Lara-Joy Logemann und Jaska Kohl mehr als eine Schulstunde damit verbracht, den Ponys und Esel Pedro die Mähnen zu kämmen, zu flechten und mit Bändern zu schmücken. Ihre Mitschüler Kevin Loers und Nico Wartsmann konnten an dem Tag nicht dabei sein, doch die sechs sind durch das Reitprojekt schon ein echtes Team geworden und haben viel gelernt.

„Wenn die Kinder aufsteigen, merkt man, wie sehr sie es genießen, getragen zu werden, und wie viel Vertrauen sie den Pferden entgegenbringen“, sagt Jasmin Wittkowski. Und Mirjam Beilharz erklärt: „Es geht dabei auch um ein Nachnähren von Urvertrauen, das viele Kinder heute kaum noch haben.“ Mirjam Beilharz ist Sozialpädagogin, Reittherapeutin und macht gerade zusätzlich eine Ausbildung zur pferdegestützten Traumatherapeutin. Jasmin Wittkowski ist Diplom-Sozialpädagogin und hat eine Ausbildung zur tiergestützten Pädagogin. „Wir brauchen einfach mehr Kontakt zur Natur und zu Tieren. An den Nachmittagen hier auf dem Hof erlebe ich, wie sehr die Kinder es genießen, wie entspannt sie sind“, sagt die Schulsozialarbeiterin. „Es geht um ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Der Umgang mit Pferden und das Reiten schult die Wahrnehmung, die Motorik, die Konzentration und nicht zuletzt auch die Frustrationstoleranz“, erklärt Jasmin Wittkowski. „Die Kinder lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren, sich fair gegenüber den Tieren zu verhalten und auch auf die Bedürfnisse der Pferde zu achten.“ Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. „Sie machen die Erfahrung, dass sie ihre Ängste überwinden können, sie übernehmen Verantwortung, sie handeln selbstbestimmt und nehmen einmal selbst die Zügel in die Hand.“ Am schönsten, sagt Jasmin Wittkowski, sei oft die gemeinsame Rückfahrt mit dem Taxi zur Oberschule. Dann seien alle zufrieden, entspannt und fühlten sich einfach wohl.

Doch bevor es zurück geht, dürfen Luca und die Mädchen noch eine Runde auf den geschmückten Pferden und auf Esel Pedro reiten. Stolz sitzt Luca im Sattel des Haflingers und verrät, worauf er jetzt schon fleißig spart: „Auf ein Pferd!“

 

Fröhliches Lachen herrschte am Mittwochnachmittag in der Oberschule. „Nach vielen Jahren gibt es mal wieder ein Schulfest“, freute sich Schulleiter Jörg Behrens. Seit gut zwei Monaten haben die 312 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern das Fest vorbereitet. Jede der 15 Klassen dachte sich etwas aus. So gab es im Gebäude und auf dem Schulhof viele Mitmachangebote.

Die Kinder und Jugendlichen hatten ehemalige Schüler, ihre Familien und Lehrer eingeladen. Die zukünftigen Schüler und ihre Eltern waren besonders interessiert. Zu den Programmpunkten gehörten sportliche Wettkämpfe, eigens eingeübte kulturelle Darbietungen, Präsentation von Unterrichts- und Projektergebnissen und von Werken aus dem schulischen Kunstunterricht sowie gastronomische Angebote.

Bei der Klasse 5c konnten Armbänder und Schlüsselanhänger gebastelt werden. Für den Stand nebenan hatte die Klasse 8a viele leckere Schokofruchtspieße vorbereitet. Besonders lustig ging es an der Fotobox der Klasse 8c zu: Mit unterschiedlichsten Verkleidungen ließen sich die Besucher fotografieren. Wer sich vorher am Schmink- und Tattoostand der Klasse 10a verschönern lies, erhielt so ganz beeindruckende Erinnerungsfotos.

Viele süße selbst gebackene Brownies bot die Klasse 7b an und lud auch zu einem Dreh am selbstgebauten Glücksrad ein. Auf dem Schulhof konnte man einen Ball mit den Füßen auf eine Torwand schießen oder mit den Händen auf einen Büchsenstapel werfen. In der Turnhalle fand eine Mini-Olympiade statt und auf der Wiese grasten Pony Archy und Esel Pedro. Schulsozialarbeiterin Jasmin Wittkowski hatte Mirjam Beilharz vom Eichenhof mit ihren Tieren eingeladen, um das Reitprojekt der Schule vorzustellen.

Neben den Auftritten der schuleigenen Musikgruppen von Musiklehrer Marco Ahrens waren die Besucher von den Gästen aus Oldenburg begeistert. Das Steeldrum Orchester der Oberschule Osternburg gab unter der Leitung von Lin Meinhardt ein Konzert. Außerdem konnten sich die Besucher einige der rund 20 Arbeitsgemeinschaften der Ganztagsschule ansehen. Am Mittwochnachmittag zeigte sich die Oberschule mit dem Fest als vielseitiger Lern-, Arbeits- und Lebensort.

 

 

Diese Schüler geben sich gegenseitig Halt

Eine spannende Übung: Zuerst saßen die vier Jugendlichen auf Stühlen. Sie haben sich zurückgelehnt auf die Beine des anderen und David Eckert hat die Stühle weggezogen. Mit viel Vertrauen und Kraft halten sie sich gegenseitig.
Bild: Sandra Binkenstein

Es gibt immer Cliquen, die den Ton angeben, und einzelne Schüler, die Schwierigkeiten haben, sich im Klassenverband zu behaupten. Schule ist kein Zuckerschlecken, die Gruppendynamiken in den Klassen entfalten ganz unterschiedliche Wirkungen – nicht selten bis hin zum Mobbing. Damit es gar nicht so weit kommt, hat die Oberschule Bockhorn Präventionsprogramme, zu denen auch das Coolness-Training mit David Eckert gehört. Der Trainer war in der Oberschule zu Gast, um die Schüler der siebten Klassen stark zu machen.

„Mit Beginn der Pubertät treten die Jugendlichen in eine besondere Lebensphase ein. Mir geht es darum, ihnen den Weg zu bereiten, sich selbst kennenzulernen und auch die Mitschüler – als Klassenverband“, sagt David Eckert. „Es geht um die Frage, wie man mit Konflikten umgeht und um einen respektvollen Umgang miteinander. Natürlich sind auch Mobbing und Ausgrenzung ein Thema.“ Mobbing allerdings sei in den größeren Städten viel häufiger ein Problem. „In Bockhorn ist alles entspannter als an manchen Schulen in der Stadt. Die Umgangsformen sind andere“, sagt David Eckert. Und Schulsozialarbeiterin Jasmin Wittkowski stimmt ihm zu: „Bei uns ist der Umgangston sehr gut.“

Trotzdem seien Jugendliche im siebten Jahrgang in einer schwierigen Lebensphase, in der es hilfreich sei, sie darin zu bestärken, Verantwortung zu übernehmen und einander zu vertrauen. „Sozialkompetenztraining ist ein Türöffner. Man merkt, dass die Schüler nach so einer Trainingsstunde in der Pause im gesamten Klassenverband rumhängen und dass etwas in Bewegung kommt“, sagt Jasmin Wittkowski.

Kein Wunder, denn David Eckert lockt die Jugendlichen ganz schön aus der Reserve. Spielerisch bringt er die Schüler dazu, im Team Aufgaben zu lösen, sich gegenseitig Vertrauen entgegenzubringen und aufeinander zu achten. „Im Spiel kann man sich nicht verstecken. Wenn man nur miteinander redet, kann sich auch jemand rausziehen und sich absichtlich nicht einbringen. Aber im Spiel ist man eben, wie man ist“, sagt David Eckert. „Und man kann dabei Erfahrungen machen, die einen als Mensch weiterbringen. Wenn sich nur einer nach so einem Training besser fühlt, war es ein gutes Training.“

 

Bockhorner Schüler besichtigen Volkswagenwerk in Emden

Am Montag, den 26. Februar 2018 besuchte der Profilkurs Wirtschaft der 10. Klassen das Volkswagenwerk in Emden und führte eine dreistündige Werksbesichtigung durch.

Das Volkswagenwerk in Emden hat sich seit der Gründung als Hafenstandort zur Produktion des Käfers bis heute zum größten industriellen Arbeitgeber in der Region entwickelt und bietet knapp 10.000 Mitarbeitern sowie 360 Auszubildenden eine Arbeitsstelle. Gefertigt werden hier täglich etwa 1200 Fahrzeuge der Marke Volkswagen in den Modellen Passat und Arteon. Um dies zu bewältigen sind auf dem knapp 4,3 Millionen Quadratmeter großen Werksgelände verschiedene Produktions- und Werkshallen, Werkstätten, Versorgungs- sowie Verwaltungsgebäude. Die einzelnen Produktionsschritte zur Herstellung der Automobile konnten von den Schülern und ihrem Lehrer Herrn Carstens an diesem Tag besichtigt und nachverfolgt werden. Herumgeführt wurde die Gruppe von geschultem Personal des Volkswagenwerkes.VW-Besichtigung.jpg

 

Begonnen wurde die Führung in einem Kinosaal mit einer kurzen Präsentation sowie hilfreichen Informationen zum Volkswagenwerk. Anschließend konnte das Presswerk besichtigt werden, in dem aus Blechen große Teile der Karosserie selbst hergestellt werden können. Anschließend wurde die zu größten Teilen automatisierte Werkshalle besichtigt, in der einzelne Teile der Karosserie zusammengefügt und verschweißt werden. Vom Automatisierungsgrad und den vielen Robotern zeigten sich die Schüler besonders beeindruckt. Den weiteren Produktionsverlauf konnten die Schüler in anderen Werkshallen nachverfolgen. Am Fließband wird Schritt für Schritt aus den Einzelteilen ein fertiges und funktionsfähiges Auto. Die dazu nötigen Arbeitsschritte werden an verschiedenen Stationen von den Mitarbeitern durchgeführt und konnten von den Schülern mitverfolgt werden. Ein Highlight bildet hierbei die „Hochzeit“, das Zusammenfügen der Karosserie mit dem Unterbau sowie dem Motor. Zum Abschluss wird jedes Auto einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen und auf der eigenen Teststrecke erprobt. Besonders spannend zu sehen war, dass jedes Auto auf Bestellung, d.h. individuell gefertigt wird. Somit müssen die Mitarbeiter bei jedem Auto hochkonzentriert sein, um nicht die falschen Ausstattungsmerkmale oder –teile einzubauen.

Neben den einzelnen Produktionsschritten und Arbeitsabläufen erhielten die Schüler auch einen sehr guten Einblick in die vielfältigen Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten bei Volkswagen sowie den Arbeitsalltag vieler verschiedener Mitarbeiter. Am Ende der Führung hatten die Schüler die Möglichkeit ihre vorbereiteten Fragen zu stellen, die von den Mitarbeitern geduldig beantwortet wurden.

 

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