NWZ Bericht von Soeke Heykes

 

Beim Coolness-Training spielerisch die soziale Kompetenz fördern

Bockhorn Die meiste Zeit sitzen die Siebtklässler der Oberschule in Bockhorn in ihren Klassenräumen, hören dem Lehrer zu, machen Gruppenarbeiten oder Projekte. Wenn allerdings Coolness-Trainer David Eckert vorbei kommt, sieht der Schulalltag ganz anders aus. Denn dann steht viel Bewegung auf dem Stundenplan.

Seit zehn Jahren kommt der freiberufliche Trainer an die Bockhorner Oberschule, um mit den siebten Klassen ein soziales Kompetenztraining durchzuführen. Dabei setzt der 46-Jährige vor alllem auf Spiele: „Es den Schülern nur an der Tafel zu erklären, kommt nicht gut an. Jeder Mensch hat aber einen Spieltrieb und mit Spielen können sehr gut Metaphern vermittelt werden.“ Ziel ist es, den Zusammenhalt der Schüler zu stärken und ihnen beizubringen, wie man mit Problemen untereinander umgeht.

Was das genau bedeutet, erlebten die Schüler der 7a am Donnerstag. Nach kleinen Aufwärmübungen teilte der Coolness-Trainer die Schüler in Teams auf, die dann in Wettkämpfen gegeneinander antraten. „Ich lass’ es gerne einfach so laufen und greife nicht direkt ein“, sagt David Eckert. So sollen sich die Jugendlichen selbst entfalten und aktiv einbringen.

Die Klassenlehrerin Iris Jahn war bei dem Training mit dabei. Sie fieberte bei den Wettkämpfen mit und ist von David Eckert begeistert: „Drei der Schüler sind noch neu in der Klasse. Sie kennen sich erst seit acht Wochen. Dafür machen sie es alle wirklich gut.“ Zudem sei es interessant zu sehen, wie schnell David Eckert erkennt, wo jemand Unterstützung braucht und wo Defizite sind.

Dabei standen David Eckert und die Schüler auf einer Ebene. Durch die kleinen Späße und Neckereien entwickelte sich eine entspannte Atmosphäre und eine gewisse Vertrautheit, auch unter den Schülern selbst.

„Solche teambildenden Maßnahmen kommen oft zu kurz“, sagt Schulsozialarbeiterin Jasmin Wittkowski. Dass dieses Training durchaus sinnvoll ist, merkt die Sozialpädagogin in den Tagen danach: „Die Schüler sind wirklich eine Gemeinschaft.“


 NWZ Bericht von Soeke Heykes

Sie helfen Kindern sicher über die Straße

Bockhorn 7.30 Uhr am Morgen. Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen, es ist dunkel. Mit neongelber Weste und Winkelkelle stehen die Jugendlichen zu zweit am Straßenrand an der Oberschule Bockhorn. Sie halten Ausschau nach Schülern, die in dem Gewirr von Autos nicht über die Straße kommen und achten darauf, dass niemand dort parkt, wo eine Gefahrenstelle ist. „Selbst bei strömendem Regen stehen sie draußen und bleiben am Ball“, sagt Schulsozialarbeiterin Jasmin Wittkowski.

 

Schüler stoppen Autos

Insgesamt sind an der Oberschule Bockhorn 20 Schülerlotsen im Einsatz. „Zehn von ihnen sind neu dabei“, sagt Jasmin Wittkowski. Bevor die Acht- bis Zehntklässler als Lotsen eingesetzt werden, müssen sie eine Ausbildung im Straßenverkehr absolvieren. „Dafür setzen wir fünf Unterrichtseinheiten an“, sagt Eugen Schnettler. Der Präventionsbeauftragte des Polizeikommissariats Varel geht mit den Schülern wichtige Paragrafen durch und bringt ihnen bei, wie sie den Anhalts- und Bremsweg von Fahrzeugen einschätzen können. „Die trockenen Paragrafen sind schon anstrengend“, gibt der Oberkommissar zu.

Am Ende muss jeder Schüler eine schriftliche und eine praktische Prüfung ablegen. Bei der praktischen Prüfung müssen die zukünftigen Lotsen unter anderem auf der Straße stehen und ein Auto anhalten. „Es ist für sie erst ein unangenehmes Gefühl, dort zu stehen, wenn ein Auto auf einen zukommt“, weiß Eugen Schnettler. Damit die Jugendlichen nicht übersehen werden, werden sie von der Landesverkehrswacht mit einer Weste, Jacke und Schirmmütze in neongelb sowie einer Winkelkelle ausgerüstet.

Nachdem die Schüler die Ausbildung bestanden haben, machen sie eine Woche lang mit einem erfahreneren Lotsen Dienst, „um Erfahrungen auszutauschen“, sagt Jasmin Wittkowski.

Einer, der bereits seit drei Jahren dabei ist, ist der Gruppensprecher der Schülerlotsen Tom Jost. Als er in die achte Klasse kam, meldete er sich direkt für die Ausbildung zum Schülerlotsen an. „Ich habe schon vorher von dem Programm gehört, aber man muss mindestens in der Achten sein.“ Für ihn ist der Dienst als Schülerlotse sehr wichtig, „damit die Kinder sicher über die Straße und zur Schule kommen“, sagt Tom                         Jost.

Das Schülerlotsen-Programm wurde 2013 ins Leben gerufen. Damals hätte die Parksituation zu Gefährdungen im Straßenverkehr geführt, „besonders vor der Grundschule an der Hauptkreuzung standen viele Autos“, sagt Eugen Schnettler. Seit es die Schülerlotsen gibt, würde dort niemand mehr parken. Und wenn doch einer auf die Idee kommt, dort sein Auto abzustellen, würden die Schülerlotsen den Leuten sagen, dass sie wegfahren müssen.

Dass das Programm funktioniert, da sind sich Jasmin Wittkowski und Eugen Schnettler, sicher, denn: „Seitdem gibt es keine Unfälle mehr“, so der Oberkommissar. Allerdings dürfen die Schüler nicht den Verkehr regeln, betont Eugen Schnettler: „Wenn im Verkehrsfluss eine Lücke entsteht, stellen sich die Schülerlotsen dort hin, damit ihre Mitschüler sicher über die Straße kommen.“

Schnelle Elterntaxis

Dass der Dienst nicht immer einfach ist, weiß die Schülerlotsin Michelle Barghop: „Eigentlich bleiben die Autofahrer immer stehen, aber es gibt auch manchmal Ungeduldige, die schnell ihr Kind zur Schule bringen wollen.“

Bis 8 Uhr stehen die Schülerlotsen jeden Morgen vor ihrer Oberschule. Danach heißt es schnell sein, damit sie noch pünktlich zum Unterricht erscheinen. Denn auch, wenn die Schülerlotsen fit im Verkehr sind, gibt es noch viele andere Sachen zu lernen.

 

Werken statt Schulbank drücken

Am Ende des 13-wöchigen Projektes sollen die Schüler der Oberschule Bockhorn ein fertiges Modellflugzeug in den Händen halten. Dafür schleifen und fräsen sie das Metall im Ausbildungszentrum Varel zurecht.

Über drei Monate arbeitet die Klasse der Oberschule an einem Projekt im Ausbildungszentrum. Ziel ist es, ein Modellflugzeug zu bauen.

Anstatt die Schulbank zu drücken, werkeln die Schüler des Technikkurses der Oberschule Bockhorn an der Werkbank. Im Ausbildungszentrum Varel (AZV) werden in Zusammenarbeit mit Premium Aerotec sieben Neuntklässler mit dem betrieblichen Alltag vertraut gemacht.

Henning Fellensiek, Leiter der Ausbildung bei Premium Aerotec, schlägt die Projektmappe auf, die zwischen Feile und Schraubstock liegt. „Die Schüler kommen dreizehn Mal jeden Mittwochvormittag her“, sagt er und zeigt auf den Stundenplan: „Wir erklären, wie mit der Werkbank und den Metallen umgegangen wird. Dann dürfen die Jugendlichen selbstständig arbeiten.“ Ziel des Projektes ist es, ein Modellflugzeug zu bauen.

Das AZV zeigt den Schülern Grundlagen der Pneumatik, der Steuerungs- und Elektrotechnik sowie im Fräsen und Drehen. „Wir führen sie außerdem durch unsere Werkshallen, so dass sie einen Eindruck vom Unternehmen bekommen“, sagt Fellensiek. Das Projekt mit der Oberschule Bockhorn gibt es seit fünf Jahren. Zur Seite stehen den Schülern Auszubildende des Unternehmens. So auch Jendrik Wübbenhorst. Der Siebzehnjährige ist in seinem ersten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker und hilft den Schülern beim Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen. Ein Auge auf die Arbeiten hat ebenfalls Katja Ledebuhr. Sie ist Ausbilderin im Fachbereich Grundbildung. „Seit vier Jahren betreue ich das Projekt schon“, sagt sie, nachdem sie einem Schüler an der Werkbank geholfen hat.

Der Lehrer des Kurses, Dr. Jürgen Jacobs, ist erfreut, wie viel Mühe sich seine Schüler geben: „Alle sind motiviert bei der Sache. Es ist wichtig, dass sie sehen, wie es im Betrieb aussieht.“ Der Fleiß der Schüler wird schließlich auch belohnt, wie Sylvia Marsollek, Koordinatorin und Techniklehrerin an der Oberschule Bockhorn, betont: „Nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Engagement fließen in die Bewertung mit ein.“ Zum Abschluss stellt Premium Aerotec die Ausbildungsmöglichkeiten für Schüler vor. Henning Fellensiek sagt, dass in jedem Jahr Azubis von der Oberschule Bockhorn bei Premium Aerotec eingestellt wurden, die vorher an dem Projekt teilgenommen hatten. Das Unternehmen bildet Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker und Elektroniker aus.

Der Schüler Jannik Petschow ist sich schon sicher: Wenn er die Möglichkeit bekommt, würde er gerne eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker bei Premium Aerotec anfangen. „In zwei Wochen setzen wir endlich alle Teile zu dem Flugzeug zusammen“, sagt der Fünfzehnjährige, während er den Rumpf seines Modells zurecht schleift.

 

Pädagogisches Reiten - „Wir brauchen mehr Kontakt zur Natur“

Die Diplom-Sozialpädagogin Jasmin Wittkowski (Mitte) ist Schulsozialarbeiterin an der Oberschule Bockhorn. Sie hat das Reitprojekt auf dem Eichenhof von Mirjam Beilharz (links) ins Leben gerufen.                                                                                              

"Ruhig, bleib stehen“, sagt Luca Garske mit gedämpfter Stimme, und der Haflinger Whisky tut, wie ihm geheißen. Er steht, ganz ruhig. Ein kleines Erfolgserlebnis für Luca, ganz ohne Zwang. In der Schule lernt der Zwölfjährige gerade, wie er mit einem Pferd kommuniziert. Dafür sitzt er nicht im Klassenzimmer der Oberschule Bockhorn, sondern steht am Anbindeplatz auf dem Eichenhof in Jührdenerfeld. Auf dem Hof von Miriam Beilharz treffen sich alle zwei Wochen sechs Schülerinnen und Schüler der Oberschule, um im Rahmen des Ganztages zwei Schulstunden auf dem Reiterhof zu verbringen.

„Pferde sind sehr gute Lehrer, denn sie spiegeln die Kinder“, sagt Jasmin Wittkowski. Die Schulsozialarbeiterin der Oberschule hat das Reitprojekt ins Leben gerufen. „Wenn jemand ganz wild und aufgeregt auf ein Pferd zu rennt, wird das Tier auch aufgeregt. Im Umgang mit Pferden werden laute Kinder etwas leiser und leise Kinder schnell selbstbewusster.“

An dem Nachmittag haben Luca Garske, Alice Bieschke, Lara-Joy Logemann und Jaska Kohl mehr als eine Schulstunde damit verbracht, den Ponys und Esel Pedro die Mähnen zu kämmen, zu flechten und mit Bändern zu schmücken. Ihre Mitschüler Kevin Loers und Nico Wartsmann konnten an dem Tag nicht dabei sein, doch die sechs sind durch das Reitprojekt schon ein echtes Team geworden und haben viel gelernt.

„Wenn die Kinder aufsteigen, merkt man, wie sehr sie es genießen, getragen zu werden, und wie viel Vertrauen sie den Pferden entgegenbringen“, sagt Jasmin Wittkowski. Und Mirjam Beilharz erklärt: „Es geht dabei auch um ein Nachnähren von Urvertrauen, das viele Kinder heute kaum noch haben.“ Mirjam Beilharz ist Sozialpädagogin, Reittherapeutin und macht gerade zusätzlich eine Ausbildung zur pferdegestützten Traumatherapeutin. Jasmin Wittkowski ist Diplom-Sozialpädagogin und hat eine Ausbildung zur tiergestützten Pädagogin. „Wir brauchen einfach mehr Kontakt zur Natur und zu Tieren. An den Nachmittagen hier auf dem Hof erlebe ich, wie sehr die Kinder es genießen, wie entspannt sie sind“, sagt die Schulsozialarbeiterin. „Es geht um ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Der Umgang mit Pferden und das Reiten schult die Wahrnehmung, die Motorik, die Konzentration und nicht zuletzt auch die Frustrationstoleranz“, erklärt Jasmin Wittkowski. „Die Kinder lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren, sich fair gegenüber den Tieren zu verhalten und auch auf die Bedürfnisse der Pferde zu achten.“ Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. „Sie machen die Erfahrung, dass sie ihre Ängste überwinden können, sie übernehmen Verantwortung, sie handeln selbstbestimmt und nehmen einmal selbst die Zügel in die Hand.“ Am schönsten, sagt Jasmin Wittkowski, sei oft die gemeinsame Rückfahrt mit dem Taxi zur Oberschule. Dann seien alle zufrieden, entspannt und fühlten sich einfach wohl.

Doch bevor es zurück geht, dürfen Luca und die Mädchen noch eine Runde auf den geschmückten Pferden und auf Esel Pedro reiten. Stolz sitzt Luca im Sattel des Haflingers und verrät, worauf er jetzt schon fleißig spart: „Auf ein Pferd!“

Back to Top